Der Begriff Tribal Style Dance leitet sich vom engl. Tribe (=Stamm/Sippe) ab. Folglich könnte man Tribal Dance mit "Stammestänze" übersetzen. Entstanden ist dieser Tanzstil Ende der 60er Jahre an der amerikanischen Westküste. Tribal Dance ist keine authentische Folklore, obwohl er auf den Betrachter aufgrund der Kostüme und Bewegungen so wirkt. Mittlerweile gibt es allerdings eine Vielzahl verschiedener Stilrichtungen und der Tribal Dance erlebt eine rasante Entwicklung. Hier eine kleine Unterscheidung der verschiedenen Stile, die jedoch keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Eine immer wiederkehrende Frage ist, ob Tribal nur in der Gruppe getanzt werden kann oder sich auch zum Solotanz eignet. Diese wird eigentlich schon dadurch beantwortet, wenn man sich den Wortursprung anschaut. Dennoch hat besonders in Deutschland eine Solotänzerin, nämlich Rachel Brice, dem Tribal Fusion zu großer Popularität verholfen. Nach Gabriellas Auffassung kommen Soloperformances im Tribal Fusion oder Tribal Style Dance nur überzeugend beim Betrachter an, wenn die Künstlerin aus einer festen Gruppe stammt. Solistinnen ohne den Background einer Gruppe bringen für sie nicht das richtige Tribal Feeling herüber.

Was ist Tribal Style Dance?

American Tribal Style (ATS®)

Maßgeblichen Anteil am ATS® hat Carolena Nericcio, die Leiterin von Fat Chance Belly Dance aus San Francisco. Aber den Grundstein für Tribal Style Dance hatte schon ihre Lehrerin Masha Archer gelegt. Carolena gilt allerdings als Begründerin des ATS®. Beim ATS® tanzt die Gruppe improvisiert und folgt einer Führungstänzerin, die normalerweise links vorne im Chorus steht. Der Chorus ist ein Halbkreis, geöffnet nach vorne, aus dem sich immer wieder Solistinnen, ein Duo, Trio oder mehr herauslösen. Es ist eine Art eigene Sprache, eigene Vokabeln, die die Tänzerinnen beherrschen müssen. Das Kommando zeigt, meist nonverbal, an, welche Bewegung als nächstes getanzt wird. Hierbei wird unterschieden zwischen Chorus und den Frauen in der Front, die bezüglich der Bewegungen nichts miteinander zu tun haben. Als ATS® wird generell nur bezeichnet, was das Repertoire von FCBD® umfasst. Es ist hauptsächlich eine Gruppenimprovisation, manchmal auch eine Choreographie, aber diese erwächst aus der Gruppenimprovisation. Selbst wenn man neue Schritte hinzufügt, geht es darum, die Haltung und die allgemeine Form zu bewahren und eine neue Bewegung an diese Haltung und Form anzupassen. Dies bedeutet z. B. die existierenden FCBD® Bewegungen nicht in ihrer Geschwindigkeit/Takt zu ändern, oder auf der linken Körperseite zu tanzen. Wenn man dies trotzdem macht, ist es kein reiner ATS® mehr.

Das Schöne am ATS® ist, dass man mit jemandem vom anderen Ende der Welt trotzdem sofort drauf los tanzen kann, weil wir eben das gleiche Vokabular benutzen. Dieses Vokabular ist inzwischen aber so sehr verändert worden, dass es eine Menge "Dialekte" gibt, die einander eben nicht mehr gut genug verstehen können, um miteinander zu tanzen. Aber sie sind alle abgeleitet vom ATS®, was eine Tanzform ist, die schon sehr viele Menschen angesprochen hat. Diese Form des Tanzes hat eine ganz besondere Magie. Alle Tänzerinnen müssen immer aufmerksam und präsent sein, da sie nie wissen, was als nächstes folgt. Diese Anspannung überträgt sich auch auf das Publikum, welches ja normalerweise die kleinen Kommandos nicht bemerkt.

Improvisations Tribal oder Old School Tribal Dance

Hier gilt eigentlich das Gleiche wie beim ATS®, nur wurden bereits einige Regeln "aufgebrochen".

Eine der ersten, die diesen Weg gingen, waren Paulettet Rees-Denis, Direktor von Gypsy Caravan und Kajira Djoumahna, Direktor von Blacksheepbellydance. Paulette Rees-Denis verwendet nicht nur Einzelbewegungen, sondern auch komplette Kombinationen, die nicht nur auf der rechten sondern auch auf der linken Körperseite getanzt werden. Auch der Chorus wird verändert, aufgeteilt oder es wird in verschiedenen Formationen getanzt. Mittlerweile haben sich sehr viele Varianten entwickelt. Auch in Deutschland arbeiten einige Stämme mit diesem Prinzip und entwickeln sich und den Tribal Style Dance auf diese Art immer weiter. Hier ist auch Nea's Tribal anzusiedeln, die nach dem ATS® Prinzip gelernt haben, aber auch andere Einflüsse mit einfließen lassen.

Tribal Fusion Dance

Auch der "klassische" Improvisations oder Old School Tribal ist eine Fusion aus verschiedenen orientalischen Tänzen. Das ist die Entstehungsbasis für den bekannten Tribal Style Dance. Da der ATS® oder Improvisations Tribal durchaus einigen strengen Regeln unterliegt, mussten durch Aufbrechen dieser Regeln neue Stilrichtungen des Tribal Style entstehen. Hier werden zu dem "klassischen" Tribal je nach Möglichkeit und Wunsch noch andere Tanzarten wie z. B. Hip Hop, Modern Dance, Jazzdance oder Streetdance hinzugefügt. Beim Tribal Fusion finden sowohl komplett durchchoreographierte Stücke, wie auch sehr lange Kombinationen und auch Improvisation, oft auch Kontakt-Improvisation, ihren Platz. Jill Parker ist eine der ersten Tänzerinnen gewesen, die diesen Weg gegangen ist.

Die vielfältigen Möglichkeiten sind kaum aufzählbar und vieles ist erlaubt. Man sollte aber immer die Elemente, die fusioniert werden, zunächst einzeln beherrschen, um eine technisch möglichst saubere Fusion präsentieren zu können. Das spiegelt sich dann sowohl in der Musik als auch in den Bewegungen wieder, die teilweise äußerst komplex sind. Deshalb fand auch hier bezüglich der Kostüme eine Veränderung statt. Die meisten Tribal Fusion Tänzerinnen greifen, besonders wegen der Bodenarbeit, auf Hosen zurück. Einige tragen nach wie vor viel Schmuck, während andere Gruppen ihr Kostüm sehr minimalistisch gestalten, weil sie eben die Bewegungen hervorheben möchten.

Entwicklungen im Tribal Fusion, die sich thematisch einordnen und dadurch unterscheiden lassen, sind z. Bsp. Indian Tribal Fusion, Afro Tribal oder Gothic Tribal. Auch hier findet eine stete Weiterentwicklung durch experimentierfreudige Tänzerinnen statt.

Alles Tribal oder was?

Nicht alles, was als Tribal angeboten wird, ist tatsächlich auch Tribal. Ein Kostüm in diesem Stil ist kein Garant dafür, dass auch Tribal Style getanzt wird. Viele Tänzerinnen unterschätzen den Aufwand, den das Erlernen dieser Tanzart erfordert. Eine saubere Technik, egal ob beim ATS®, Improvisations Tribal oder Tribal Fusion ist unerlässlich. Leider ist Tribal noch "in Mode" und so kann es durchaus vorkommen, dass das, was vorher einfach als Fantasietanz deklariert wurde, nun als Tribal angeboten wird. Hier wird hoffentlich auch noch eine gesunde Entwicklung stattfinden.

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FatChanceBellyDance®

Foto von Kristine Adams mit freundlicher Genehmigung von FCBD®